Stuttgart – immer wieder nehmen sich Jugendliche das Leben, weil sie aus einer Lebenskrise keinen Ausweg mehr finden. Bei homosexuellen Jugendlichen liegt die Zahl der Freitode bis zu 4-mal höher als bei gleichaltrigen Heterosexuellen. Die Schwusos Stuttgart fordern das Bildungsministerium auf homosexuelle Aufklärung in den Lehrplänen als Pflichtthema zu verankern.
„Schlechte Aufklärung ist unter anderem ein Grund weshalb Jugendliche eine Lebenskrise während ihres Selbstfindungsprozesses bekommen“, so Steffen Schaffner, Sprecher der Schwusos Stuttgart. Die sexuelle Entwicklung in der Pubertät ist durch den wechselnden Hormonhaushalt der Jugendlichen schwierig. Während die Clique über Sex mit Frauen redet, schweigt der Homosexuelle über seine Bedürfnisse. „Anders zu sein ist in der Regel sehr schwer, vor allem weil man glaubt, dass man selbst nicht normal sei“, erläutert Schaffner. Junge Frauen haben damit aber dieselben Probleme. „Wenn in den Pausen über die süßen Mitschüler getuschelt wird, aber man seine Sitznachbarin viel interessanter findet, ist der innerliche Konflikt groß.“ so Judith Schober, Vorstand Schwusos Stuttgart. Der Selbstfindungsprozess ist für die Betroffenen sehr schwer, häufig bekommen betroffene Jugendliche in dieser Zeit eine Krise die bis in den Freitod führen kann.
„Wichtig ist es, dass die Jugendlichen besser aufgeklärt werden und lernen, dass ihr Anderssein völlig normal ist.“ so Michael Ruiter, Vorstand Schwusos. Die Landesregierung Baden-Württemberg zögert aber immer noch an einer effektiven Einbindung dieser komplexen Problematik in die Lehrpläne. „Jeder Jugendliche im Land muss erklärt bekommen was in der Pubertät in ihm vorgeht, wie Sexualität funktioniert, was Liebe ist und das gleichgeschlechtliche Liebe völlig natürlich ist!“ attackiert Steffen Schaffner Minister Rau der für Kultus, Jugend und Sport verantwortlich ist. „40 Jahre nach dem homosexuellen Aufstand in der Stonewall Bar in der Christopher Straße in New York muss die gleichgeschlechtliche Lebensform vollständig akzeptiert werden! Schimpfwörter wie „Schwuchtel“ oder „Homo“ gehören nicht auf den Schulhof!“ ergänzt Schober. Jugendliche vor sich selbst schützen und aufklären sind zwingende Voraussetzungen, die das Ministerium für Kultur, Jugend und Sport erfüllen muss.
Suizid oder Coming Out diese Frage darf in unserer Gesellschaft nicht mehr gestellt werden. Der Verein IHS e.V. Stuttgart bietet Hilfe zu Coming Out fragen in Stuttgart an. Auch die Schwusos Stuttgart bieten ihre Hilfe zum Coming Out, zum Thema HIV und AIDS und zu Diskriminierungsangelegenheiten an.